Liebe Standard-Redaktion!
Ich bin nun seit einigen Jahren, seitdem ich ein bewusst aktiver politisch denkender Mensch bin, treuer Abonnent des „Standard“. Einerseits war ich bis dato ein Leser, der überzeugt vom Qualitätsjournalismus des „Standard“ war, andererseits wollte ich diesen als altmodischer Abonnent – trotz Internetmöglichkeit – unterstützen.
Dass in den letzten Monaten die Zeitung etwas an Biss verlor, ist die eine Sache. Die andere Sache, und viel gewichtiger, dass der „Standard“ offensichtlich immer mehr sorglos damit umgeht, welche Menschen er zu Wort kommen lässt.
Wie könnte es anders sein, dass der „Standard“ plötzlich ein Interview mit dem in seriösen wissenschaftlichen Kreisen verschrienen „Historiker“ namens Tony Judt, ein Mann, der bekannt dafür ist, mit dem Judentum, mit der Shoah und mit Israel allgemein nicht ganz koscher umzugehen, am 9. Juni bedenkenlos abdruckt?
In diesem Interview meint Judt u. a.: “Denn das bedeutet, dass sie auch mit Israel identifiziert werden, wenn Israel Dinge tut, die antiisraelische, antijüdische Gefühle hervorrufen. Auf gewisse Weise produziert die Diaspora den Antisemitismus”.
Es sei mir gestattet, meinen Ekel bezüglich dieses Interviews zu bekunden.
Ist es dem „Standard“ nicht bekannt, dass Judt u.a. der Meinung ist, dass es den Deutschen im Nationalsozialismus gar nicht um die „Juden“ gegangen wäre? Ist es dem „Standard“ nicht bekannt, dass Judt u.a. gerne Opfer und Täter miteinander vertauscht, indem er sogar behauptet, die größten Kriegsschäden seien nicht von den Deutschen, sondern von den alliierten Luftangriffen und von den Sowjets ausgegangen? Ist es dem „Standard“ nicht bekannt, dass Judt gerne die israelische Regierung als „Faschisten“ bezeichnet? Ist es dem „Standard“ nicht bekannt, dass Judt in Wien einen Vortrag mit dem süffisanten Titel „„Is Israel (still) good for the Jews?“ halten wird?
Aber gewiss muss dem „Standard“ bekannt sein, dass die Autorin des Artikels, die Philosophin Isolde Charim, ausgerechnet die „Moderatorin“ dieser Diskussionsrunde im sozialdemokratischen „Bruno Kreisky-Forum“ sein wird. Ist es dem „Standard“ nicht auch bekannt, dass Charim ein bekennender Fan jener britischen „Intellektuellen“ ist, die sich bezüglich eines Manifests für einen Boykott israelischer Universitäten zusammengeschlossen haben, um fadenscheinig gegen die israelische Politik zu agieren – mit dem eindeutigen Hinweis darauf, dass sich Israel gegen palästinensische Terroristen nicht zu wehren habe? Diese und weitere Erkenntnisse kann man im Artikel von „Lizas Welt“ – http://lizaswelt.blogspot.com/2007/06/der-anachronzeuge.html bestens erfahren.
Es ist völlig ohne Belang für meine Entscheidung, dass Judt für seine komischen Ansichten mit dem Bruno-Kreisky-Preis ausgezeichnet wird.
Für mich ist es viel mehr von Belang, was ich als Einzelner persönlich gegen diese inakzeptablen Vorkommnisse tun kann.
Nach diesen Erkenntnissen ist es mir als geschichtsbewusster Mensch moralisch völlig unmöglich, weiterhin ein Abonnent des „Standard“ zu sein. Eine Qualitätstageszeitung hat nicht einfach einen Artikel einer linientreuen Person Judts einfach so abzudrucken. Ein Judt hat absolut nichts in einer Qualitätszeitung verloren – höchsten nur, wenn er verrissen wird.
Gerne werde ich ab und zu auf erlesene Artikel des „Standard“ zurückgreifen, weil’s halt sonst nichts besseres gibt in Österreich – aber er ist es mir nicht mehr wert, ihn mit einem Abo zu unterstützen.
Hiermit kündige ich ab sofort mein Abo auf.
Ich bitte um Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
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Abonummer: …………..

hmm, ich kenn sonst nichts von judt, das interview ist aber jetzt eigentlich nicht sonderlich skandalös sondern zumindest teilweise sehr richtig? ich meine vor allem die forderung, dass die begriffe “juden” und “israel” als getrennt verstanden werden sollten.
Ui. Na Bumm. Das wird den Standard aber hart treffen.
Und? Ist die Zeitung nach der Abo-Kündigung pleitegegangen?